Palazzo Madama Turin: Barockfassade von Juvarra und Sammlungen vom Mittelalter bis zum Barock

Der Palazzo Madama in Turin ist ein geschichtsträchtiges Gebäude, das zweitausend Jahre Geschichte vereint – vom römischen Tor bis zur barocken Fassade von Filippo Juvarra. Er beherbergt das Museo Civico d’Arte Antica mit Sammlungen vom Mittelalter bis zum Barock, darunter Meisterwerke von Antonello da Messina und Defendente Ferrari. Die zentrale Lage an der Piazza Castello macht ihn leicht zugänglich für eine Reise in die savoyische Geschichte und piemontesische Kunst.

  • Barockfassade und Treppenanlage, entworfen vom Architekten Filippo Juvarra im 18. Jahrhundert
  • Sammlungen des Museo Civico d’Arte Antica mit Werken vom Mittelalter bis zum Barock, darunter das Männerporträt von Antonello da Messina
  • Panoramaturm mit Blick über die Dächer Turins und die Alpen
  • Freskengeschmückte Säle wie der Saal des Subalpinen Senats sowie Sammlungen dekorativer Kunst mit Porzellan, Glas und antiken Möbeln

Copertina itinerario Palazzo Madama Turin: Barockfassade von Juvarra und Sammlungen vom Mittelalter bis zum Barock
Der Palazzo Madama in Turin mit seiner barocken Fassade von Filippo Juvarra beherbergt das Museo Civico d’Arte Antica. Bewundern Sie das Männerporträt von Antonello da Messina, den Panoramaturm und die freskengeschmückten Säle im Herzen der Piazza Castello.

Wissenswertes


Einführung

Geht es dir auch manchmal so, dass du über einen Platz schlenderst und dich plötzlich in verschiedene Epochen versetzt fühlst? Im Palazzo Madama passiert genau das. Seine barocke Fassade von Filippo Juvarra wirkt wie ein theatralischer Vorhang, der sich auf zweitausend Jahre Geschichte öffnet, während die mittelalterliche Rückseite daran erinnert, dass hier einst ein römisches Tor stand. Es ist nicht nur ein Museum: Es ist ein steinernes Palimpsest, das Turin besser erzählt als jedes Buch. Bei meinem ersten Besuch blieb ich mit offenem Mund vor diesem Kontrast stehen. Es scheint fast, als hätte das Gebäude zwei verschiedene Seelen, und tatsächlich ist es so.

Historische Einblicke

Die Geschichte des Palazzo Madama ist wie ein lebendiges Geschichtsbuch der Stadt. Begonnen als römisches Stadttor im 1. Jahrhundert n. Chr., entwickelte es sich zu einer mittelalterlichen Festung. Im 15. Jahrhundert verwandelten die Savoyer es in eine Residenz, doch den entscheidenden Aufschwung brachten zwei ‘Königliche Damen’: Maria Cristina von Frankreich und Maria Giovanna Battista von Savoyen-Nemours, die es im 17. Jahrhundert verschönerten und ihm seinen Namen gaben. Der geniale Schachzug war die Berufung von Filippo Juvarra im Jahr 1718: Der sizilianische Architekt entwarf die majestätische Treppe und die barocke Fassade, die wir heute sehen, auch wenn die Arbeiten aus Geldmangel eingestellt wurden. Heute beherbergt es das Museo Civico d’Arte Antica mit Sammlungen vom Mittelalter bis zum Barock.

  • 1. Jahrhundert n. Chr.: Römisches Stadttor (Porta Decumana)
  • Mittelalter: Befestigte Burg
  • 1637-1663: Residenz der ‘Königlichen Damen’
  • 1718: Entwurf der barocken Fassade durch Filippo Juvarra
  • 1934: Wird Sitz des Museo Civico d’Arte Antica

Die Treppe von Juvarra

Wenn Sie von der Piazza Castello aus eintreten, bereiten Sie sich auf ein Schauspiel vor. Die doppelläufige Treppe von Juvarra ist ein Meisterwerk barocker Theatralik: Marmor, Stuck, ein Licht, das von oben herab fällt. Sie steigen hinauf und fühlen sich wie ein wichtiger Gast, der auf einen Hofball wartet. Ich brauchte eine Weile, um zu entscheiden, ob ich die Details oder das Gesamtbild betrachten sollte. Am Ende verstand ich, dass die Schönheit genau in diesem Kontrast zwischen der Feierlichkeit der Architektur und den kleinen Details liegt, wie den geschnitzten Putten oder den vergoldeten Kapitellen. Es ist keine einfache Treppe: Es ist ein Erlebnis, das Sie auf die Eleganz der Innenräume vorbereitet.

Die verborgenen Sammlungen

Alle schauen auf die Architektur, aber die inneren Sammlungen verdienen Zeit. Der Schatz von Desana, eine Gruppe langobardischer Schmuckstücke aus dem 7. Jahrhundert, ist eine dieser Entdeckungen, die einen sprachlos machen vor ihrer Feinheit. Dann gibt es die Renaissance-Majoliken, die venezianischen Gläser, die Hofporträts. Mich haben besonders die illuminierten Handschriften aus dem 15. Jahrhundert beeindruckt, mit diesen leuchtenden Farben, die wie frisch gemalt wirken. Es ist seltsam zu denken, dass so fragile Objekte Jahrhunderte überdauert haben. Das Museum ist nicht riesig, aber jeder Saal hat etwas Besonderes, ohne dieses Gefühl der Überforderung, das große Museen manchmal vermitteln.

Warum es einen Besuch wert ist

Erstens: Es ist ein Konzentrat Turiner Geschichte in einem einzigen Gebäude. Wo sonst sieht man römische Überreste, einen mittelalterlichen Turm und ein barockes Meisterwerk zusammen? Zweitens: Die Lage ist perfekt, direkt am Piazza Castello, dem Herz der Stadt. Drittens: Die Sammlungen sind sorgfältig kuratiert, aber nicht überwältigend, ideal für einen entspannten Besuch von ein paar Stunden. Und es gibt noch einen persönlichen Grund mehr: Von der Panoramaterrasse (wenn sie zugänglich ist) hat man einen Blick über den gesamten Platz mit den Alpen im Hintergrund. Allein dafür lohnt sich schon der Eintritt.

Wann man hingehen sollte

Ich empfehle dir den späten Nachmittag, besonders im Herbst oder im frühen Frühling. Das flach einfallende Sonnenlicht taucht die barocke Fassade von Juvarra in warme Töne und hebt jedes Detail der Stuckarbeiten hervor. Im Winter, wenn die Tage kurz sind, schafft die Innenbeleuchtung eine gemütliche Atmosphäre, die perfekt zu den Gemäldesälen passt. Im Sommer kann es voll sein, aber wenn du gegen die Schließzeit gehst, findest du mehr Ruhe. Einmal war ich während eines Gewitters dort: Den Regen über die alten Fensterscheiben laufen zu sehen, während ich zwischen Kunstwerken geschützt war, war ein fast magisches Erlebnis.

In der Umgebung

Wenn Sie den Palazzo Madama verlassen, machen Sie einen kurzen Spaziergang zum Piazza San Carlo, der wegen seiner eleganten Symmetrie mit den Zwillingskirchen Santa Cristina und San Carlo als ‘Salon von Turin’ bezeichnet wird. Nicht weit entfernt, im Römischen Viertel, befindet sich das Ägyptische Museum – nach Kairo das zweitwichtigste der Welt – das die Zeitreise, die im Palazzo Madama begann, perfekt abrundet. Wenn Sie Lust auf ein zeitgenössischeres Erlebnis haben, bietet die nahe gelegene Galleria d’Arte Moderna (GAM) einen interessanten Kontrast mit ihren Sammlungen aus dem 19. Jahrhundert und der Moderne.

💡 Vielleicht wusstest du nicht, dass…

Nicht jeder weiß, dass Palazzo Madama seinen Namen zwei ‘Königlichen Damen’ verdankt: Maria Cristina von Frankreich und Maria Giovanna Battista von Savoyen-Nemours, die ihn im 17. Jahrhundert in eine prunkvolle Residenz verwandelten. Hier wurde 1848 das Albertinische Statut, die erste Verfassung des Königreichs Italien, unterzeichnet. Ein faszinierendes Detail: In den Sälen können die originalen Holzböden aus dem 18. Jahrhundert bewundert werden, die perfekt erhalten sind und unter den Schritten leicht knarren, was dem Besuch eine authentische und fast ‘lebendige’ Atmosphäre verleiht. Die Wendeltreppe, die zum Turm führt, eng und stimmungsvoll, ist dieselbe, die vor Jahrhunderten von den Royals begangen wurde.