Einführung
Stellen Sie sich vor, Sie schlendern am Canal Grande entlang und werden von einem imposanten Palast in den Bann gezogen, der sich von allen anderen unterscheidet: Es ist Ca’ Pesaro. Dieses barocke Juwel mit seiner weißen Fassade und den skulpturalen Verzierungen ist nicht nur ein schönes Gebäude, sondern ein wahres Kunstschatzkästchen. Im Inneren finden Sie nicht die üblichen Renaissance-Fresken, sondern eine Explosion von moderner und orientalischer Kunst. Es ist eine Überraschung für alle, die denken, Venedig sei nur Vergangenheit: Hier dialogiert die architektonische Vergangenheit mit den künstlerischen Avantgarden des 20. Jahrhunderts und mit Schätzen aus dem Fernen Osten und bietet eine einzigartige und unerwartete Perspektive auf die Stadt.
Historischer Überblick
Die Geschichte des Ca’ Pesaro ist eine Reise durch Jahrhunderte des Wandels. Die adlige Familie Pesaro beauftragte im 17. Jahrhundert den Bau des Palastes, um eine ihrem Prestige angemessene Residenz zu erhalten. Die Arbeiten, die von Baldassarre Longhena begonnen wurden, zogen sich lange hin und wurden erst 1710 von Gian Antonio Gaspari vollendet. Über Jahrhunderte hinweg war es ein privates Wohnhaus, bis es 1899 die Herzogin Felicita Bevilacqua La Masa der Stadt Venedig mit einem klaren Wunschen schenkte: es in eine Galerie für moderne Kunst zu verwandeln. Heute beherbergt es neben dem Museum für moderne Kunst auch das reichhaltige
Museo Orientale, das auf die Sammlungen des Grafen Enrico di Borbone zurückgeht.
- 1659-1710: Bau des Palastes auf Wunsch der Familie Pesaro.
- 1899: Schenkung an die Stadt Venedig durch Felicita Bevilacqua La Masa.
- 1902: Eröffnung der Galleria Internazionale d’Arte Moderna.
- 1928: Einweihung des Museo Orientale im dritten Stock.
Das Museum für Moderne Kunst: Eine Reise in die Avantgarde
Die Treppen der Ca’ Pesaro hinaufzusteigen, um die Internationale Galerie für Moderne Kunst zu besuchen, ist ein aufregendes Erlebnis. Ihre Säle sind nicht nur ein Behälter, sondern ein Weg, der die Entwicklung der italienischen und internationalen Kunst vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts erzählt. Hier findest du nicht nur bekannte Namen, sondern entdeckst Werke, die eine Epoche geprägt haben. Es ist besonders faszinierend zu bewundern, wie Künstler wie Klimt, Chagall und Kandinsky neben den italienischen Meistern des 20. Jahrhunderts vertreten sind. Die Sammlung umfasst Meisterwerke des Divisionismus, des Futurismus und der Skulptur, mit Werken von Medardo Rosso und Künstlern der Schule von Burano. Der Besuch ermöglicht es dir zu sehen, wie Venedig, oft mit seiner glorreichen Vergangenheit verbunden, auch ein Knotenpunkt für moderne Kunstströmungen war.
Das Museo Orientale: Eine Ecke Asiens am Canal Grande
Im dritten Stock des Ca’ Pesaro erwartet Sie eine völlige Überraschung: das Museo Orientale. Es ist, als ob Sie einen Sprung nach Japan, China und Südostasien machen würden, ohne Venedig zu verlassen. Die Säle beherbergen eine der bedeutendsten Sammlungen japanischer Kunst der Edo-Zeit in Europa, die aus der Leidenschaft des Grafen Enrico di Borbone hervorgegangen ist. Hier können Sie komplette Samurai-Rüstungen, Schwerter (Katanas), Netsuke (winzige Skulpturen), Porzellan und Ukiyo-e-Drucke bewundern. Die Anordnung ist nicht überladen, sondern so gestaltet, dass Sie jedes Stück würdigen können. Es ist ein Erlebnis, das sich angenehm vom venezianischen Barock der darunterliegenden Säle abhebt und Sie an die historische Rolle Venedigs als Brücke zwischen West und Ost erinnert.
Warum es einen Besuch wert ist
Ca’ Pesaro zu besuchen lohnt sich aus mindestens drei konkreten Gründen. Erstens bietet es eine doppelte kulturelle Erfahrung mit nur einem Ticket: westliche moderne Kunst und antike orientalische Kunst. Zweitens sind seine Sammlungen von höchster Qualität, aber oft weniger überlaufen als die bekannteren Museen, was einen ruhigeren und kontemplativeren Besuch ermöglicht. Drittens bietet seine Lage am Canal Grande von seinen Fenstern aus spektakuläre und ungewöhnliche Ausblicke auf den Wasserverkehr und die Paläste gegenüber, wodurch die Kunst im Inneren mit dem Leben draußen verbunden wird.
Wann Sie gehen sollten
Die beste Zeit, um die Ca’ Pesaro zu besuchen, ist der frühe Nachmittag, besonders in den Übergangsjahreszeiten. Das Licht, das durch die Fenster zum Canal Grande fällt, beleuchtet die Säle der modernen Kunst perfekt und schafft eine magische Atmosphäre. Zudem vermeiden Sie so die Hauptbesuchszeiten am Vormittag, wenn organisierte Gruppen am zahlreichsten sind. In den wärmeren Monaten bieten die Innenräume auch eine angenehme Abkühlung im Vergleich zur feuchten Hitze der engen Gassen.
In der Umgebung
Nach dem Besuch von Ca’ Pesaro setzen Sie Ihre Reise durch Kunst und Geschichte fort. Nur wenige Gehminuten entfernt, in Richtung der Rialtobrücke, finden Sie die Kirche San Giacomo di Rialto, die als älteste Kirche Venedigs gilt und sich durch ihre charakteristische Uhr auszeichnet. Für ein thematisch passendes Erlebnis begeben Sie sich zum nahe gelegenen Palazzo Mocenigo. Dieser ehemalige Adelspalast, heute ein Museum, taucht Sie in das Leben und die Bräuche des venezianischen 18. Jahrhunderts ein und rundet das historische Bild ab, das mit der barocken Residenz der Pesaro begonnen hat.