Pinacoteca Corrado Giaquinto: Apulische Kunst vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert im Palazzo della Provincia

Die Pinacoteca Corrado Giaquinto in Bari ist das Archiv des künstlerischen Gedächtnisses Apuliens, untergebracht im Palazzo della Provincia mit monumentalen Treppen und freskengeschmückten Decken. Die Dauerausstellung umfasst Jahrhunderte lokaler Produktion in einer ruhigen Atmosphäre fernab touristischer Menschenmengen.

  • Polyptychon des Heiligen Franziskus von Assisi von Bartolomeo Vivarini aus dem Jahr 1475, perfekt erhalten
  • Werke von Paolo Veronese und der neapolitanischen Schule des 17. Jahrhunderts
  • Freskengeschmückte Säle und Terrasse mit Blick auf die Dächer von Bari Vecchia und das Meer
  • Organisierte Sammlung mit mittelalterlichen Tafeln, Renaissancegemälden und apulischer Abteilung des 19. Jahrhunderts


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Copertina itinerario Pinacoteca Corrado Giaquinto: Apulische Kunst vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert im Palazzo della Provincia
Die Pinacoteca Metropolitana Corrado Giaquinto in Bari beherbergt über 1000 apulische Kunstwerke in einem historischen Palast mit freskengeschmückten Sälen und Panoramaterrasse. Bewundern Sie den Polyptychon des Heiligen Franziskus von Assisi aus dem Jahr 1475 und Werke von Paolo Veronese.

Wissenswertes


Ein versteckter Schatz im Herzen von Bari

Man erwartet ein Museum, doch die Pinacoteca Corrado Giaquinto ist in erster Linie ein Palast, der einen sprachlos macht. Wir befinden uns im historischen Zentrum von Bari, nur einen Steinwurf vom Meer und der Basilika San Nicola entfernt, doch sobald man das Portal des Palazzo della Provincia durchschreitet, hat man das Gefühl, in eine andere Dimension einzutreten. Die monumentalen Treppen, die freskengeschmückten Decken und die Säle mit originalen Böden sind bereits ein Spektakel für sich. Und dann ist da die Stille, fast unwirklich für einen so zentral gelegenen Ort. Hier findet man keine Touristenscharen, nur einige Kunstliebhaber und Studenten mit ihren Skizzenbüchern. Es fühlt sich an, als hätte man ein Geheimnis entdeckt, das die Bareser eifersüchtig hüten.

Vom Regierungspalast zum Kunstschatz

Die Geschichte dieses Ortes ist ein Geflecht aus Macht und Schönheit. Der Palast, der die Pinakothek beherbergt, wurde zwischen 1926 und 1932 als Sitz der Provinz Bari erbaut, mitten in der faschistischen Ära. Die Architektur ist imposant, mit jener Mischung aus klassischen Stilelementen und Rationalismus, die für diese Zeit typisch ist. Die Sammlung hingegen hat ältere Wurzeln: Sie entstand 1928 als Provinzpinakothek, erhielt aber erst 1977 den Namen Corrado Giaquinto, zu Ehren des im 18. Jahrhundert in Molfetta geborenen Malers. Der wertvollste Kern stammt aus den Aufhebungen religiöser Orden im 19. Jahrhundert, als Kunstwerke aus Kirchen und Klöstern hier konzentriert wurden, um sie vor der Zerstreuung zu bewahren. Heute beherbergt sie über 1000 Werke, mit Stücken vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert.

  • 1926-1932: Bau des Palazzo della Provincia
  • 1928: Gründung der Provinzpinakothek
  • 1977: Benennung nach Corrado Giaquinto
  • 2015: Umbenennung in Metropolitana Pinakothek

Das Triptychon, das dir Apulien erzählt

Unter allen Werken gibt es ein Meisterwerk, das allein den Besuch wert ist: das Triptychon des Heiligen Franziskus von Assisi von Bartolomeo Vivarini aus dem Jahr 1475. Es kam hierher aus der Kirche Sant’Antonio in Conversano und ist perfekt erhalten. Was beeindruckt, ist nicht nur die raffinierteste Technik oder die noch lebendigen Farben, sondern wie diese Tafel das Apulien des 15. Jahrhunderts erzählt. Die dargestellten Heiligen haben mediterrane Gesichter, die Hintergründe erinnern an die apulische Landschaft, und in den Details erkennt man Elemente des lokalen Handwerks. Aus der Nähe betrachtet, bemerkte ich Details, die auf Fotos nicht sichtbar sind: die Falten der Gewänder, die Ausdrücke der Gesichter, sogar die Maserungen des originalen Holzes. Es ist, als hätte Vivarini nicht nur eine heilige Szene, sondern ein Stück regionaler Identität gemalt.

Salons, die wie Künstlerateliers wirken

Die Pinakothek ist so gestaltet, dass man sich eher in einem Atelier als in einem traditionellen Museum fühlt. Die Werke sind nicht gedrängt, sondern mit Raumwirkung angeordnet, oft begleitet von Erläuterungen, die eher den historischen Kontext als technische Daten erklären. Im Bereich des apulischen 19. Jahrhunderts etwa stehen die Gemälde von Giuseppe De Nittis und Francesco Netti im Dialog und zeigen, wie lokale Künstler den Realismus interpretierten. Doch besonders interessant sind die Säle des 20. Jahrhunderts mit Werken von Künstlern wie Nicola Ciletti oder Vito Stifano, die man anderswo selten findet. Ein Bild von Ciletti, „Die Olivenernte“, scheint fast nach Landschaft zu duften. Vielleicht ist es Einbildung, aber genau darum geht es: Hier ist apulische Kunst kein Exotismus, sondern eine Erzählung von zu Hause.

Warum Sie ihr eine Stunde Ihrer Reise widmen sollten

Drei konkrete Gründe, warum diese Pinakothek einen Besuch wert ist. Erstens: Es ist der schnellste Weg, die Kunst Apuliens zu verstehen, ohne die halbe Region bereisen zu müssen. Hier finden Sie Jahrhunderte lokaler Kunstproduktion konzentriert, von mittelalterlichen Meistern bis hin zu zeitgenössischen Künstlern. Zweitens: Das Gebäude selbst ist ein Kunstwerk mit architektonischen Details, die das Bari des frühen 20. Jahrhunderts erzählen. Drittens, vielleicht der praktischste Grund: Es ist eine Oase der Ruhe im Chaos der Altstadt. Nachdem Sie die Menschenmassen an der Uferpromenade oder in den Gassen der Altstadt erlebt haben, können Sie hier durchatmen und die Kunst in Ruhe genießen. Und es gibt einen vierten, etwas egoistischen Grund: Sie werden sich ein bisschen schlauer fühlen als andere Touristen.

Der richtige Zeitpunkt für einen besonderen Besuch

Ich würde die Mittagsstunden meiden, besonders im Sommer. Der Palast ist kühl, aber das Licht, das durch die großen Fenster fällt, ist am frühen Winter-Nachmittag oder in den Stunden vor Sonnenuntergang magisch. Die tiefstehenden Sonnenstrahlen beleuchten die Werke auf besondere Weise und erzeugen Lichtspiele auf den Ölgemälden, die tagsüber nicht auffallen. Einmal besuchte ich gegen 16 Uhr an einem Novembertag und erinnere mich besonders daran, wie das Licht das Gesicht der Madonna im Vivarini-Polyptychon streifte. Im Sommer hingegen ist der beste Zeitpunkt der frühe Morgen, wenn die Luft noch frisch ist und man die Pinakothek fast für sich allein genießen kann, bevor man ins Chaos der Stadt eintaucht.

Runden Sie Ihr Erlebnis in der Umgebung ab

Nach dem Verlassen der Pinakothek haben Sie zwei Möglichkeiten, Ihr kulturelles Eintauchen fortzusetzen. Die erste liegt buchstäblich nur wenige Schritte entfernt: das Teatro Margherita, jenes weiße Gebäude, das wie auf dem Meer zu schweben scheint. Heute dient es als Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst, und oft stehen die Ausstellungen im idealen Dialog mit den Sammlungen der Pinakothek. Die zweite Option erfordert einen kurzen Spaziergang durch das Labyrinth der Altstadt: die Kirche San Gregorio, eine der ältesten Kirchen in Bari, mit mittelalterlichen Fresken, die den mit den Gemälden der Pinakothek begonnenen Weg perfekt abrunden. Beide Orte vereinen jene Mischung aus Geschichte und Alltag, die Bari so besonders macht.

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💡 Vielleicht wusstest du nicht, dass…

Ein Detail, das nur wenige bemerken: Unter den ausgestellten Werken befindet sich das “Polyptychon des Heiligen Nikolaus” aus dem 15. Jahrhundert, das aus der nahegelegenen Basilika stammt. Betrachten Sie es genau: Es erzählt das Leben des Heiligen mit einer Farbenpracht, die für die damalige Zeit erstaunlich ist. Und verpassen Sie nicht die Terrasse im ersten Stock: Oft für die Öffentlichkeit zugänglich, bietet sie einen einzigartigen Blick auf die Dächer von Bari Vecchia und die Adria, eine Aussicht, die wie aus einem Gemälde des 19. Jahrhunderts aus der Sammlung selbst wirkt.