Einleitung
Wenn es einen Ort gibt, an dem dir das Veltlin einen Anblick schenkt, den du so schnell nicht vergisst, dann ist das Pizzi dei Piani. Wir sind in Madesimo, auf fast 2000 Metern, auf einer Hochebene, die zwischen Himmel und Fels zu schweben scheint. Von hier schweift der Blick über die Rätischen Alpen, vom Pizzo Stella bis zum Bernina, unterbrochen nur vom Wind. Man muss kein Sportler sein: der Weg ist einfach, für alle geeignet, und die Aussicht stellt sich sofort ein. Ich war Ende Juni dort, mit blühenden Wiesen und einer warmen, aber nicht drückenden Sonne. Ein Ort, der dich berührt, ohne unnötige Worte.
Historische Notizen
Der Pizzi dei Piani hat keine schriftlich festgehaltene Geschichte, ist aber eng mit der Tradition der Alpwirtschaft und den Hirten verbunden, die seit Jahrhunderten ihre Herden auf diese Weiden führen. Das Gebiet war Teil der alten Verbindungsstraße zwischen Valchiavenna und der Schweiz, die von Schmugglern und Händlern genutzt wurde. In den 1960er Jahren veränderte die Ankunft der Skianlagen das Gesicht von Madesimo, doch diese Hochebene blieb ein ruhiger, unberührter Winkel. Heute findet man dort zwei Hütten: die Rifugio Pizzi dei Piani und die Rifugio Nido dell’Aquila, Rastplätze, die die alpine Gastfreundschaft lebendig halten.
Der Weg: ein grüner Teppich zum Himmel
Von Madesimo fährt der Sessellift, doch das wahre Vergnügen ist der Fußmarsch nach oben. Der Weg Nr. 25 steigt sanft durch den Wald an, dann öffnet er sich zu sattgrünen Wiesen. In einer halben Stunde bist du an der ersten Hütte, aber ich empfehle dir, weiterzugehen bis zum Lago di Pizzi dei Piani, einem kleinen Gewässer, das die Gipfel spiegelt. Im Sommer ist das Grasland übersät mit roten Lilien und Enzian. Die Luft ist so rein, dass es sich anfühlt, als würdest du zum ersten Mal atmen. Oben angekommen ist der See eine Belohnung: nur wenige Schritte und du bist da, mit dem Wasser, das seine Farbe mit dem Himmel wechselt.
Die Hütten: Einkehr und Tradition
Nach der Wanderung ist eine Einkehr in der Rifugio Pizzi dei Piani fast Pflicht. Liebevoll geführt, bietet sie einfache, aber gut gemachte Gerichte: Pizzoccheri, Polenta Taragna, lokale Käsesorten. Der Besitzer ist ein Bergliebhaber und weiß Geschichten aus der Gegend zu erzählen. Etwas weiter oben hat die Rifugio Nido dell’Aquila eine wahnsinnige Panoramaterrasse – perfekt für einen Aperitivo mit Aussicht. Beide sind auch mit dem Sessellift erreichbar, wenn man keine Lust aufs Wandern hat, aber das Sugo schmeckt besser, wenn man es sich verdient hat.
Warum man es besuchen sollte
Drei gute Gründe: die leichte Zugänglichkeit: auch mit Kindern oder Hunden (an der Leine) kommt man problemlos an; die 360°-Aussicht: vom Pizzo Stella bis zum Bernina, jede Wolke bietet ein anderes Schauspiel; die geringe Besucherzahl im Vergleich zu anderen Veltliner Zielen – wer Ruhe sucht, ist hier genau richtig. Außerdem bieten die Hütten typische Gerichte zu fairen Preisen, was in großer Höhe nicht selbstverständlich ist.
Wann reisen
Die schönste Zeit? Der späte Frühling und der Frühsommer, wenn die Wiesen in voller Blüte stehen. Auch der Herbst, wenn sich die Lärchen gold färben, ist magisch. Wähle einen Tag mit klarem Himmel: Der frühe Morgen oder der späte Nachmittag schenken ein Licht, das die Berge liebkost. Vermeide das Ferragosto-Wochenende, wenn möglich: Es gibt keine Menschenmassen, aber die Stille ist alles.
In der Umgebung
Wenn du Zeit hast, fahre nach Madesimo für einen Bummel durch das Zentrum mit seinen Steinhäusern und handwerklichen Läden. Ein paar Kilometer entfernt liegt das Valle del Liro mit seinen Wasserfällen und dem Weg zum Lago di Dosdè – eine weitere einfache, aber atmosphärische Wanderung. Oder besuche für einen Sprung in die Geschichte das Fortino di Madesimo, eine Festung aus der faschistischen Zeit, die heute als Museum genutzt wird.