Galleria Nazionale der Puglia in Bitonto: Die Devanna-Sammlung mit Tintoretto und Veronese

Die Galleria Nazionale der Puglia in Bitonto beherbergt die private Devanna-Sammlung in einem Renaissancepalast aus dem 16. Jahrhundert. Sie bietet ein intimes Erlebnis abseits der Menschenmassen mit Werken vom 15. bis zum 18. Jahrhundert.

  • Gemälde von Künstlern wie Tintoretto, Paolo Veronese und Mattia Preti
  • Devanna-Sammlung, 1998 dem Staat geschenkt
  • Palazzo Sylos-Calò mit Säulenhof und monumentaler Treppe
  • Werke der neapolitanischen und venezianischen Schule, darunter eine ‘Beweinung Christi’, die Giovanni Bellini zugeschrieben wird

Copertina itinerario Galleria Nazionale der Puglia in Bitonto: Die Devanna-Sammlung mit Tintoretto und Veronese
Galleria Nazionale der Puglia in Bitonto: Renaissance- und Barockwerke der Devanna-Sammlung im Palazzo Sylos-Calò. Gemälde von Tintoretto, Paolo Veronese und Mattia Preti, Skulpturen und antike Möbel.

Wissenswertes


Ein Palast, der erzählt

Die Galleria Nazionale della Puglia in Bitonto zu betreten ist wie einen verborgenen Schatz zu entdecken. Man erwartet nicht ein so reiches Museum in einer Stadt, die vielleicht weniger von den Massentouristenströmen frequentiert wird. Der Palazzo Sylos-Calò, der es beherbergt, ist bereits für sich ein Spektakel: ein Renaissancegebäude mit einem Innenhof, der einen in eine andere Epoche katapultiert fühlen lässt. Die Devanna-Sammlung ist das pulsierende Herz des Museums, mit Gemälden vom 15. bis zum 18. Jahrhundert, die sich vor allem auf die neapolitanische und venezianische Schule konzentrieren. Es ist keine riesige Galerie, und das ist ein Vorzug: Der Besuch ermüdet nicht, sondern hinterlässt Eindruck. Man spürt eine intime, fast private Atmosphäre, fernab vom Gedränge der großen Museen. Für mich war der schönste Blickfang, die monumentale Treppe hinaufzusteigen und sich vor diesen mit Kunst tapezierten Wänden wiederzufinden.

Geschichte einer leidenschaftlichen Sammeltätigkeit

Die Galerie entstand aus einer privaten Schenkung, der der Geschwister Girolamo und Rosaria Devanna, die 1998 erfolgte. Zwei Anwälte aus Bitonto mit einer unermesslichen Leidenschaft für Kunst, die im Laufe ihres Lebens eine außergewöhnliche Sammlung zusammengetragen haben. Der italienische Staat erwarb dann den Palazzo Sylos-Calò, ein Juwel aus dem 16. Jahrhundert, um sie würdig auszustellen. Das Museum wurde 2009 offiziell für die Öffentlichkeit eröffnet. Es ist nicht die übliche staatliche Gemäldegalerie, die per Dekret entstand, sondern hat eine familiäre Seele, die eng mit der Region verbunden ist. Die Zeitleiste hilft, den Weg nachzuvollziehen:

  • 1998: Schenkung der Devanna-Sammlung an den Staat.
  • 2004-2008: Restaurierung und Anpassung des Palazzo Sylos-Calò.
  • 2009: Eröffnung der Nationalgalerie Apuliens.

Meisterwerke, die innehalten lassen

Beim Durchschreiten der Säle bleiben einem manche Gemälde regelrecht im Gedächtnis haften. Es sind nicht die weltberühmten Namen, und das ist vielleicht auch gut so. Man kann sie ohne den Ballast ihres Ruhmes betrachten. Mich hat besonders die ‘Beweinung Christi’ von Giovanni Bellini (oder aus seiner Werkstatt) beeindruckt, ein Werk von melancholischer Zartheit, das im Halbdunkel des Saals besonders zur Geltung kommt. Dann gibt es den Bereich der neapolitanischen Malerei des 17. Jahrhunderts mit Künstlern wie Luca Giordano und Francesco Solimena, die ein üppiges und dramatisches Barock erzählen. Achten Sie auch auf die Porträts: Einige, besonders aus dem 18. Jahrhundert, wirken so lebendig, als würden ihre Blicke einem folgen. Die Galerie hat den Vorzug, gut beleuchtet zu sein (kein schwaches Licht, das die Augen ermüdet) und die Beschriftungen sind klar, ohne belehrend zu wirken.

Das Gebäude ist ein Kunstwerk

Besuchen Sie dieses Museum nicht nur wegen der Gemälde. Das Palais selbst verdient Ihre ganze Aufmerksamkeit. Es ist ein prachtvolles Beispiel der Renaissance-Architektur in Apulien. Der Säulenhof mit seinem zentralen Brunnen ist eine Oase der Ruhe für eine Pause. Die Kassettendecken in einigen Sälen sind fein gearbeitet. Manchmal fand ich mich dabei, mehr nach oben als an die Wände zu schauen! Die innere Treppe mit ihrer breiten Rampe ist majestätisch und bereitet Sie auf den Eintritt in die Ausstellungssäle vor. Es gibt einen ständigen Dialog zwischen dem historischen Gebäude und den darin enthaltenen Werken, die nicht einfach aufgehängt wurden, sondern zu diesen Räumen zu gehören scheinen. Ein Tipp? Nehmen Sie sich Zeit, aus den Fenstern im ersten Stock zu schauen: Der Blick auf die Dächer von Bitonto und in die Ferne auf die Landschaft ist ein zusätzliches Gemälde in der Sammlung.

Warum sich ein Besuch lohnt

Drei konkrete Gründe, warum Sie diesen Ort nicht auslassen sollten. Erstens: Es ist ein vollständiges Eintauchen in die Kunst Süditaliens zwischen Renaissance und Barock, ohne eine halbe Region bereisen zu müssen. Die Konzentration an Qualität ist hoch. Zweitens: Die Atmosphäre. Es gibt keinen Andrang, Sie können die Werke in Ruhe betrachten, fast in Einsamkeit an Werktagen. Drittens: Der Kontext. Bitonto ist eine Kunststadt für sich (die romanische Kathedrale ist nur einen Steinwurf entfernt), und die Galerie zu besuchen gibt Ihnen den perfekten Vorwand, ein authentisches historisches Zentrum zu erkunden, das weniger touristisch ist als andere. Es ist eine umfassende kulturelle Erfahrung, nicht nur ein Museumsbesuch.

Der richtige Zeitpunkt

Mein Tipp? Gehen Sie am frühen Nachmittag, besonders an einem sonnigen Tag. Das natürliche Licht, das durch die Fenster des Palastes fällt, erzeugt wunderschöne Lichtspiele in den Sälen und im Innenhof und hebt die Farben der Gemälde sowie die Steine des Gebäudes hervor. Im Winter hat die gemütliche Atmosphäre des beheizten Palastes ihren eigenen Charme, während er im Sommer eine kühle Oase im Vergleich zur apulischen Hitze ist. Vermeiden Sie vielleicht die Abendstunden kurz vor der Schließung, da die künstliche Beleuchtung, obwohl gut, nicht so gut zur Geltung kommt wie das Tageslicht. Unter der Woche ist es ideal für Ruhe.

Was man in der Umgebung kombinieren kann

Nach dem Verlassen der Galerie befinden Sie sich bereits im Herzen von Bitonto. Die Kathedrale San Valentino ist nur wenige Gehminuten entfernt: ein Meisterwerk der apulischen Romanik mit einem spektakulären Rosettenfenster und einem Portal, das reich mit Skulpturen verziert ist. Sie ist auf jeden Fall einen ausführlichen Besuch wert. Wenn Sie dann das Thema Kunst/Privatsammlungen fortsetzen möchten, erreichen Sie in etwa einer halben Autostunde Conversano mit dem Schloss und der Pinakothek, die Werke bedeutender apulischer Künstler beherbergt. Zwei ergänzende Erlebnisse, die Ihnen zwei unterschiedliche Perspektiven auf die Kunstgeschichte des Bari-Landes bieten.

💡 Vielleicht wusstest du nicht, dass…

Ein Detail, das den Besuch besonders macht: Die Galerie ist im Palazzo Sylos Calò untergebracht, einem Gebäude aus dem 16. Jahrhundert mit einem Innenhof und Renaissance-Loggien. Die Devanna-Sammlung, die in den 1980er Jahren gestiftet wurde, umfasst seltene Stücke wie eine Madonna mit Kind, die Tintoretto zugeschrieben wird, und einen Heiligen Hieronymus von Mattia Preti – Werke, die die künstlerische Entwicklung in Apulien zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert zeigen. Interessant: Das Sammlerehepaar Devanna, gebürtig aus Bitonto, wollte, dass ihre Werke in der Stadt bleiben, was eine einzigartige Verbindung zwischen Kunst und Region schafft.