Im Herzen von Mailand, nur wenige Schritte von der Piazza San Babila entfernt, ist der Palazzo Visconti di Modrone (Via Cino del Duca 8) eines der reichsten Beispiele des lombardischen Rokoko. Heute im Besitz von Socrea, ist der Palast auf Anfrage zu besichtigen und beherbergt private Veranstaltungen, Ausstellungen und Fotoshootings, bequem erreichbar mit der U-Bahn-Station San Babila. Hier sind die wichtigsten Punkte:
– Der Ballsaal mit einem Deckenfresko von Gersam Turri und Gemälden aus dem 18. Jahrhundert von Nicola Bertucci.
– Der Innenhof mit Säulengang mit Doppelsäulen und der künstlichen Grotte im zweiten Innenhof.
– Die Säle der Beletage: Sala Specchiera, Sala Visconti, Sala Gentildonna und Sala Presidenza.
– Die Geschichte: von Carbonari-Treffen und Mozart-Konzerten bis zu Gästen wie Verdi, Manzoni und Apollinaire.
Palazzo Visconti di Modrone: Einführung
Ein Juwel des Mailänder Rokoko im Herzen von San Babila: freskengeschmückte Säle, ein Innenhof mit gekoppelten Säulen und der Ballsaal von Gersam Turri. Für Veranstaltungen und Führungen in der Via Cino del Duca geöffnet, ist dieser Palazzo einer jener Orte, die in Mailand fast unbemerkt bleiben, aber die einen überraschen, sobald man die Schwelle überschreitet. Man tritt ein, und der Verkehr der Corso Venezia verschwindet. Es bleiben die Fresken, die eleganten Räume, die schwebende Atmosphäre einer Zeit, die es nicht mehr gibt. Es ist ein intimes Rokoko, nicht monumental, und vielleicht berührt es deshalb noch mehr.
Geschichtlicher Überblick
Die Geschichte beginnt im Jahr 1708, als Isabella Boselli dem spanischen Adligen Giuseppe Bolagnos ein Haus aus dem 17. Jahrhundert als Mitgift bringt. Giuseppe, der mit Karl VI. gekommen war, erwirbt die angrenzenden Gebäude und lässt einen Palast errichten, der das Ansehen der Familie bezeugen soll. Nach seinem Tod 1732 vollendet sein Sohn Carlo die Arbeiten. Der Palast geht an das Ospedale Maggiore und 1759 an den Marquis Giuseppe Viani, der ihn erweitert. 1840 erwirbt ihn Uberto Visconti di Modrone. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beauftragt Giuseppe Visconti Alfredo Campanini mit der Restaurierung und Gersam Turri mit dem Fresko des Ballsaals. Der Überlieferung nach soll hier auch ein sehr junger Mozart ein Konzert gegeben haben. 1959 entsteht hier die Fondazione Carlo Erba.
– 1708 – Mitgift der Boselli und Beginn der Arbeiten
– 1732 – Carlo Bolagnos vollendet den Palast
– 1759 – Erwerb durch Giuseppe Viani
– 1840 – Erwerb durch Uberto Visconti di Modrone
– 1907–1908 – Restaurierung durch Campanini und Fresko von Turri
– 1959 – Sitz der Fondazione Carlo Erba
Architektur: ein Innenhof, der wie ein kleines Schmuckkästchen wirkt
Die dreistöckige Fassade ist bereits eine Visitenkarte: ein Portal, überragt von einem großen unregelmäßigen Balkon, Fenster mit geschwungenen Giebeln. Aber im Innenhof zeigt sich der Palast von seiner besten Seite. Die gekoppelten Säulen der Arkaden erzeugen einen durchgehenden Rhythmus, und von dort gelangt man zu einem zweiten Hof mit einer kleinen künstlichen Grotte. Ein unerwartetes Detail, das den Ort noch faszinierender macht. Das Gebäude ist in C-Form um den viereckigen Hof angelegt, und jede Ecke erzählt vom Geschmack des Mailänder Settecento. Es hat nichts Kaltes oder Museales: Es ist eine Architektur, die lebt.
Die Räume der Beletage, zwischen Stuck und Fresken
Die Beletage ist das Herz des Palastes. Der Visconti-Saal, entworfen von Alfredo Campanini im Stil des lombardischen Barock, diente als Ballsaal: Wände mit Stuck, Gemälden und Fresken, doppelte Deckenhöhe. Darüber das Fresko von Gersam Turri, das als sein Meisterwerk gilt. Im Ballsaal bewundert man auch die Fresken aus dem 18. Jahrhundert von Nicola Bertucci. Daneben verdankt der Spiegelsaal seinen Namen einem antiken Spiegel über dem Kamin, und der Damensalon ist hell und elegant. Durch diese Räume zu gehen ist wie ein Sprung zurück in die Zeit, zwischen gesellschaftlichen Empfängen und Tanzabenden.
Ein Ort, der lebt: Events und Führungen
Der Palast ist heute kein geschlossenes Museum: Er ist eine Event-Location, die von Socrea verwaltet wird, mit fünf Sälen, die etwa 300 Personen zum Abendessen und 360 im Theater aufnehmen können. Es werden Hochzeiten, Präsentationen, Shootings, Kongresse organisiert. Und für diejenigen, die ihn entdecken möchten, gibt es Führungen auf Reservierung, oft anlässlich von Veranstaltungen wie der Milano Design Week. Das Schöne ist, dass man das Mailänder Rokoko sehen kann, während es noch genutzt wird, nicht nur konserviert. Auf der offiziellen Website erhält man Informationen und Kontakte.
Warum es besuchen
Erstens: Es ist eines der reichsten und unbekanntesten Beispiele des Mailänder Rokoko, fernab von den Museumsschlangen. Zweitens: Der Ballsaal mit den Fresken von Nicola Bertucci und der Decke von Gersam Turri ist etwas, das man in einem Privatpalast nicht erwartet. Drittens: Mit den Führungen auf Reservierung erhält man Zugang zu einem Ort, der normalerweise für Veranstaltungen reserviert ist, und erlebt die Atmosphäre eines Salons aus dem 18. Jahrhundert. Wenn du historische Paläste liebst, ist dies ein Muss.
Wann gehen
Wenn du kannst, wähle einen Werktag, wenn die Räumlichkeiten ruhiger sind. Der beste Zeitpunkt? Der späte Nachmittag, wenn die tief stehende Sonne die Stuckarbeiten und Fresken zum Leuchten bringt. Im Herbst, wenn die künstliche Beleuchtung bereits eingeschaltet ist, ist der Kontrast zwischen Innenraum und Mailänder Abendstimmung magisch. Und wenn du während der Mailänder Designwoche vorbeischaust, beherbergt der Palazzo temporäre Installationen, die mit der Vergangenheit in Dialog treten. Keine festen Zeiten: Es ist besser, die Website zu konsultieren und einen Besuch zu buchen.
In der Umgebung
Da du im Herzen von San Babila bist, würde ich die Gelegenheit nutzen, um einen Blick auf die Kirche San Babila zu werfen und dann einen Spaziergang zum Dom zu machen. Wenn du mit den Palästen weitermachen möchtest, beginnt das Modeviertel praktisch um die Ecke. Und für einen Kaffee ist der Corso Vittorio Emanuele II die bequemste Wahl. Das Schöne an dieser Gegend ist, dass sie Kunst, Shopping und Nachbarschaftsleben vereint, ohne dass man sich zu weit bewegen muss.