Palazzo Durini: ein Sprung in das Mailänder Barock
Palazzo Durini, auch bekannt als Palazzo Durini Caproni di Taliedo, ist eine der elegantesten Überraschungen im Zentrum von Mailand. Es befindet sich in der Via Durini 24, nur einen Steinwurf vom Modeviertel entfernt, und doch wirkt es wie eine andere Welt: eine barocke Fassade aus dem 17. Jahrhundert, die man nicht erwartet, ein säulengeschmückter Innenhof, der zum Innehalten einlädt. Es ist kein kaltes Museum, sondern ein lebendiger Ort zwischen Büros, Design-Showrooms und aristokratischer Erinnerung. Das Schöne? Treten Sie ein, schauen Sie nach oben und lassen Sie sich vom Kontrast zwischen barocken Fresken und zeitgenössischen Sesseln mitreißen. Es ist einer dieser Orte, die Mailand einem schenkt, wenn man glaubt, es bereits zu kennen.
Historische Notizen
Die Geschichte beginnt im
1645, als der Graf von Monza Giovan Battista Durini den Architekten Francesco Maria Richini mit dem Entwurf einer herrschaftlichen Residenz beauftragt. Zwischen 1646 und 1648 erbaut, ist der Palast eines der besten Beispiele des Mailänder Seicento. Während der spanischen Herrschaft beherbergt er den Gouverneur Ponce Guzman de Leon; für ihn wurde ein Balkon hinzugefügt, der später zum Castello Durini in der Provinz Como verlegt wurde. 1925 ging er in den Besitz der Familie Caproni über, erlitt 1943 Kriegsschäden und wurde restauriert. Die Restaurierungen im Jahr 2000 brachten ihn zu altem Glanz zurück und öffneten das Piano Nobile für das Design.
- 1645-1648: Bau nach dem Entwurf von Richini
- Spanische Herrschaft: Gastgeber für Gouverneur Ponce Guzman de Leon
- 1925: Erwerb durch die Caproni
- 1943: Kriegsschäden
- 2000: Restaurierungen und neues Leben mit Edra
Mailänder Barock: Fassade und Innenhof
Die Fassade an der Via Durini ist ein Beispiel für nüchternen Barock: vier Etagen, gegliedert durch Gesimse, bossierte Pilaster und dicht beieinanderstehende, nach oben strebende Fenster. Das bossierte Portal ist der eigentliche Protagonist, bekrönt von einem Balkon mit drei Fenstern. Aber im Innenhof entfaltet sich der Raum zu einem kleinen Meisterwerk: Portikus mit doppelten dorischen Säulen, allegorischen Statuen und ockerfarbenen Wänden. Das Licht dringt im Laufe des Tages auf unterschiedliche Weise ein und zeichnet scharfe Schatten. Es ist ein Ort der Stille, fernab vom Verkehr, obwohl man mitten im Geschehen ist. Wer Architekturfotografie liebt, findet hier eines der schönsten Motive Mailands.
Beletage: Fresken und Edra-Showroom
Steigen Sie die Ehrentreppe aus rotem Marmor aus Verona hinauf, und die Beletage empfängt Sie mit ihrem Vorzimmer, das in Trompe-l’œil-Technik dekoriert ist. Die Räume reihen sich aneinander mit bemalten Medaillons und geschnitzten und vergoldeten Holzdecken. Der Höhepunkt ist der Festsaal mit dem Fresko des Triumph des Eros von Melchiorre Gherardini. Heute koexistiert all dies mit den Kreationen von Edra, der toskanischen Designmarke, die den Palazzo als dauerhaften Showroom gewählt hat: Sofas, Sessel und Lichtinstallationen von Jacopo Foggini treten in einen Dialog mit den Fresken aus dem 17. Jahrhundert. Ein gewollter und reversibler Kontrast, der die Geschichte nicht beschädigt, sondern sie atmen lässt.
Warum es sich lohnt
Der erste Grund ist die Kostenlosigkeit: Die Gemeinschaftsbereiche und der Innenhof können frei besichtigt werden, und das ist in Mailand nicht selbstverständlich. Der zweite ist die Möglichkeit, ein barockes Meisterwerk nicht als Reliquie, sondern als lebendigen Raum zu erleben: Zwischen einer Anwaltskanzlei und einem Showroom atmet der Palast. Wenn Sie schließlich Design lieben, ist der Vergleich zwischen den Fresken aus dem 17. Jahrhundert und den Edra-Kollektionen etwas, das Sie in keinem Museum finden. Darüber hinaus wird der Palast während der Mailänder Designwoche zu einem Zentrum für Veranstaltungen und Installationen: eine Gelegenheit, ihn in zeitgenössischer Version zu sehen.
Die beste Zeit für einen Besuch
Der beste Zeitpunkt ist der frühe Morgen, wenn das Kommen und Gehen von Büros und Kunden gerade begonnen hat und der Innenhof ganz Ihnen gehört. Das Licht bringt in diesen Stunden die Ockerfarbe der Wände zum Leuchten und lässt die Verzierungen hervortreten. Falls möglich, wählen Sie einen Wochentag statt eines Wochenendes, um die Ruhe des Ortes zu genießen. Und wenn Sie während eines Design-Events in der Stadt sind, nutzen Sie die Gelegenheit: Der Palazzo verwandelt sich und zeigt noch eine andere Seite, zwischen Installationen und Begegnungen.
In der Umgebung
Nach dem Besuch lässt sich das Zentrum zu Fuß erkunden. Das Teatro alla Scala ist nahe gelegen und ein Umweg lohnt sich immer, schon allein für den Blick in den Saal. Danach ein Spaziergang zur Pinacoteca di Brera: Kunst, Kreuzgänge und eine Atmosphäre des alten Mailand, die gut zur Erinnerung an den Palast passt. Wenn Sie stattdessen eine Pause bevorzugen, bietet das Modeviertel Cafés und Schaufenster, aber auch ruhigere Straßen zum Durchatmen.