Die Toirano-Höhlen sind ein Karstkomplex in der Provinz Savona, der Sie in eine unterirdische Welt von seltener Schönheit führt. Mit einer konstanten Temperatur von 16°C sind sie zu jeder Jahreszeit perfekt für einen Besuch. Der etwa einen Kilometer lange geführte Rundgang lässt Sie entdecken:
• Den Saal der Mysterien mit seinen Kalkablagerungen, die wie natürliche Skulpturen wirken
• Die prähistorischen menschlichen Fußspuren, die seit über 12.000 Jahren im Schlamm erhalten sind
• Das Skelett des Höhlenbären, perfekt erhalten in einer Nische
• Den Kristallsee, der die Tropfsteine wie in einem Spiegel reflektiert
Einführung
In die Grotten von Toirano hinabzusteigen ist, als blättere man in einem Naturgeschichtsbuch, während man durch die Gänge wandert. Es ist nicht nur eine Höhlenbesichtigung, sondern ein Erlebnis, das einen angesichts der Zeit winzig fühlen lässt. Als Erstes fällt die feuchte Luft auf, die einen umhüllt, und die Stille, die nur vom Tropfen des Wassers durchbrochen wird, das über Jahrtausende hinweg Stalaktiten und Stalagmiten in unglaublichen Formen geformt hat. Die 70-minütige Führung führt durch die Grotta della Bàsura und die Grotta della Strega, zwei verbundene Höhlen, die unterschiedliche Schätze bergen: hier die spektakulärsten Kalksteinformationen, dort die Spuren, die prähistorische Menschen und Höhlenbären hinterlassen haben. Ich erinnere mich besonders an den Saal der Mysterien mit seinen Konkretionen, die wie Marmorfalten wirken. Es ist ein Ort, der an einem haften bleibt – feucht und uralt.
Geschichtlicher Überblick
Diese Höhlen waren nicht immer so zugänglich wie heute. Ihre touristische Geschichte ist jung, doch ihre Vergangenheit reicht weit zurück.
Die spektakulärste Entdeckung geschah 1950, als einige Jungen aus dem Ort den Eingang zur Bàsura-Höhle fanden, die bis dahin nur lokal bekannt war. Im Inneren entdeckten Höhlenforscher perfekt erhaltene menschliche und tierische Fußspuren im versteinerten Schlamm, die über 12.000 Jahre alt sind. Stellen Sie sich vor: Fußabdrücke von Steinzeitkindern beim Spielen und die majestätischen Spuren der längst ausgestorbenen Höhlenbären. Die Hexenhöhle war dagegen bereits seit dem 19. Jahrhundert bekannt, aber nur als lokale Kuriosität. Heute sind beide zu einem einzigen Weg verbunden, der erforscht und ausgestattet wurde, um uns dorthin führen zu können, wo unsere Vorfahren einst wandelten.
- 1890: erste Erkundungen der Hexenhöhle
- 1950: Entdeckung der Bàsura-Höhle mit prähistorischen Fußspuren
- 1970er Jahre: Beginn organisierter Besichtigungen
- Heute: vereinter und mit LED-Beleuchtung ausgestatteter Weg zum Schutz der Umwelt
Der Korridor der Fußabdrücke
Dieser Teil hat mich am meisten berührt. In der Grotta della Bàsura gibt es einen etwa zwanzig Meter langen Abschnitt, in dem der Boden mit fossilen Fußabdrücken übersät ist. Es sind keine einfachen Spuren: Man erkennt die Zehen, die Ferse, manchmal den unterschiedlichen Druck des Schritts. Forscher haben herausgefunden, dass sie von einer Gruppe von Männern, Frauen und Kindern aus dem Jungpaläolithikum stammen, die sich hier vielleicht zu Zeremonien oder auf der Suche nach Schutz hineinwagten. Daneben die Spuren von Höhlenbären, riesig, die den Boden aufkratzen. Der Guide weist darauf hin, wie einige menschliche Fußabdrücke über denen der Bären liegen, ein Zeichen, dass sie später vorbeikamen. Darüber zu gehen, auf einem schwebenden Steg, gibt einem ein seltsames Gefühl der Nähe. Es sind keine Ausstellungsstücke in einer Vitrine, sie sind dort, wo sie hinterlassen wurden. Man möchte sie berühren, aber es ist verboten, um sie zu erhalten: Der Schlamm hat sich zu brüchigem Gestein verfestigt.
Die Kalzit-Kathedrale
Wenn der Gang der Fußabdrücke die Geschichte ist, dann ist die Hexenhöhle die Fantasie der Natur. Hier stehlen die Kalkformationen die Show mit Formen, die wie aus einer Erzählung entsprungen wirken. Es gibt Säulen, hoch wie Bäume, Alabastervorhänge, die zu schwingen scheinen (in Wirklichkeit sind sie seit Jahrhunderten unbeweglich), und Wasserbecken, so klar, dass sie die Stalaktiten wie in einem Spiegel reflektieren. Der Name „der Hexe“ stammt von einer Formation, die an ein Gesicht erinnert, aber mich hat am meisten der sogenannte „Alabaster-Wasserfall“ beeindruckt, eine schneeweiße Tropfsteinformation, die wie in der Luft erstarrt wirkt. Die LED-Beleuchtung, die so gestaltet ist, dass sie das Mikroklima nicht beeinträchtigt, spielt mit Schatten und verstärkt die Reflexionen. Es ist eine so surreale Umgebung, dass man manchmal vergisst, unter der Erde zu sein. Ich empfehle, auch nach oben zu schauen: Die Decke ist ein Gewebe aus Stalaktiten, dünn wie Nadeln.
Warum man es besuchen sollte
Erstens: Es ist einer der wenigen Orte in Italien, an denen die Vorgeschichte so greifbar ist. Man muss sich nicht vorstellen, wie die Höhlenmenschen lebten: Ihre Spuren sind direkt unter den eigenen Füßen zu sehen. Zweitens: Der Besuch ist ausgezeichnet organisiert. Die Führung (obligatorisch) ist informativ ohne langweilig zu sein, der Weg ist sicher und auch für Nicht-Abenteurer geeignet, mit Treppen und Geländern. Drittens: Die Verbindung von Natur und Geschichte ist perfekt. In einer Stunde und zehn Minuten wechselt man von den künstlerischen Formen der Höhle zu den menschlichen Zeugnissen, ohne sich zu ermüden. Und ehrlich gesagt, es ist eine hervorragende Alternative zu den überfüllten Stränden der Riviera, besonders an heißen oder regnerischen Tagen. Ich war aus Neugier dort und kam mit dem Gefühl heraus, etwas Einzigartiges gesehen zu haben.
Beste Reisezeit
Die Höhlen sind das ganze Jahr über geöffnet, aber das Erlebnis variiert stark. Im Sommer bietet die unterirdische Kühle eine willkommene Erfrischung gegenüber der Hitze der Riviera, allerdings kann es besonders zur Mittagszeit voll werden. Ich persönlich bevorzuge die Übergangszeiten: Im Frühling oder Herstag, am besten frühmorgens, ist weniger los und die Atmosphäre ist intimer. Im Winter hingegen ist der Kontrast zwischen der kalten Außenluft und der konstanten Wärme in den Höhlen (16°C) angenehm, und die Kalkformationen wirken bei reduziertem natürlichem Licht lebendiger. Ein ehrlicher Tipp: Vermeide Tage mit starkem Regen, wenn du empfindlich auf Feuchtigkeit reagierst, denn im Inneren ist sie stärker spürbar. Grundsätzlich ist aber jeder Zeitpunkt geeignet, denn unter der Erde herrscht immer das gleiche Klima.
In der Umgebung
Nach dem Besuch der Höhlen lohnt sich auch ein Spaziergang durch Toirano selbst: Das mittelalterliche Dorf thront auf einem Hügel mit engen Gassen und bunten Häusern – perfekt für einen Kaffee oder um Farinata, die typische ligurische Kichererbsen-Focaccia, zu probieren. In der Nähe, Richtung Meer, liegt Borgio Verezzi, ein weiteres Dorf am Mittelmeer mit einem theaterartigen historischen Zentrum (im Sommer findet hier ein Festival statt) und den Grotte di Borgio, weniger bekannt, aber ebenso spektakulär durch die Farben ihrer Tropfsteinformationen. Wer im prähistorischen Thema bleiben möchte, findet etwa eine halbe Autostunde entfernt das Archäologische Museum in Finale Ligure, das paläolithische Funde aus den Höhlen der Region ausstellt und so das Bild dessen, was man in Toirano gesehen hat, abrundet.