Evokative Einleitung
Der Eintritt in San Bartolomeo in Pantano ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Die romanische Fassade mit ihren fünf Arkaden und den steinernen Löwen empfängt dich schweigend, während im Inneren das durch die kleinen Fenster fallende Licht alte Fresken und eine fein geschnitzte Kanzel erhellt. Es ist nicht nur eine Kirche: Es ist ein Stück langobardischer und mittelalterlicher Geschichte, das noch atmet, zwischen Weihrauchduft und Gemurmel von Gebeten. Ein Ort, der zu dir spricht, wenn du zuhörst.
Historische Anmerkungen
Gegründet zwischen 726 und 764 von dem langobardischen Arzt Gaidoaldo, ist dies die älteste langobardische Gründung in Pistoia. Anfangs benediktinisch, ging sie später an die Lateranensischen Kanoniker und die Vallombrosaner über und wurde 1810 zur Pfarrkirche. Das heutige Gebäude stammt aus dem Jahr 1159, errichtet auf Initiative des Priors Buono im romanischen Stil Pistoias. Hier die wichtigsten Etappen:
- 726-764: Gründung durch Gaidoaldo.
- 1159: Wiederaufbau in romanischen Formen.
- 1167: Architrav von Gruamonte.
- 13. Jahrhundert: Kanzel von Guido da Como und Fresken von Manfredino d’Alberto.
- 1951-1961: Restaurierung, die das romanische Aussehen wiederherstellt.
Fassade und Skulpturen: ein steinernes Buch
Die Fassade ist ein Meisterwerk der romanischen Kunst Pistoias: fünf Arkaden auf Säulen, zweifarbige Bänder aus weißem und grünem Marmor, und ein Architrav, der Gruamonte zugeschrieben wird und Jesus darstellt, wie er den Aposteln die Gebote gibt, oder vielleicht den Unglauben des Thomas. An den Seiten bewachen zwei Löwen den Eingang, Symbole des siegreichen Christus. Unter der Lünette befinden sich weitere Löwenköpfe. Jedes Detail ist bedeutungsvoll, und die geschnitzten Gesichter aus der Nähe zu betrachten ist wie das Lesen einer alten Geschichte.
Innenraum und Kunstschätze
Beim Betreten herrscht eine andächtige Atmosphäre. Die drei Schiffe, getrennt durch Säulen mit zoomorphen Kapitellen, führen zur Apsis, wo das späte 13. Jahrhundert-Fresko von Manfredino d’Alberto hervorsticht: ein Christus in der Mandorla zwischen den Heiligen Bartholomäus und Johannes Evangelist. Die Kanzel von Guido da Como (13. Jahrhundert) ist ein Juwel aus gemeißeltem Marmor. Verpassen Sie nicht das hölzerne Kruzifix nahe Giovanni Pisano und die Spuren von Fresken aus dem 14. Jahrhundert an den Wänden. Eine Restaurierung in den 1960er Jahren brachte den gesamten romanischen Charme wieder zum Vorschein.
Warum sich ein Besuch lohnt
Drei gute Gründe: Erstens, die authentische Atmosphäre: kein Gedränge, nur die Stille, unterbrochen vom Stundenschlag. Zweitens, die lebendige Tradition: am 24. August das Fest des Heiligen Bartholomäus mit der Salbung der Kinder und dem Süßwarenmarkt (verpassen Sie nicht die ‘Kronen’). Drittens, die Kunst ohne Barrieren: die Kanzel von Guido da Como und die Fresken von Manfredino d’Alberto sind für alle kostenlos zugänglich. Ein wenig bekannter Schatz, gerade deshalb besonders.
Wann besuchen?
Wenn Sie die Ruhe lieben, besuchen Sie sie früh am Morgen, wenn das schräge Licht die Apsis erhellt. Wenn Sie hingegen die Tradition erleben möchten, ist der 24. August der richtige Tag: Die Kirche füllt sich mit Gläubigen und Kindern, und draußen gibt es einen fröhlichen Markt. Im Herbst, wenn die Sonne tief steht, leuchten die Zweifarben der Fassade. Aber zu jeder Jahreszeit ist ein Besuch lohnenswert: 20 Minuten reichen aus, um Jahrhunderte der Geschichte zu genießen.
In der Umgebung
Nur wenige Schritte entfernt befinden sich der Dom von Pistoia mit seiner Kathedrale und dem Glockenturm sowie das Ospedale del Ceppo mit seinem glasierten Terrakotta-Fries von Giovanni della Robbia. Für eine Pause bietet das nahe gelegene Museo di San Salvatore sakrale Kunst. Wenn Sie Zeit haben, schlendern Sie durch die Gassen der Altstadt: Pistoia hat viel zu entdecken, mit Handwerksläden und historischen Cafés.