Die Rocca Sanvitale überragt Sala Baganza in der Provinz Parma in Gestalt eines langen Quaderbaus mit zwei mächtigen Türmen. Zu besichtigen sind hier mit Fresken des 16. Jahrhunderts ausgestattete Säle von Ercole Procaccini und Cesare Baglione, die Gemächer des 18. Jahrhunderts von Antonio Farnese und das Weinmuseum in den alten Kellern. April bis Oktober ist die beste Zeit; montags (außer an Feiertagen) geschlossen, mit Führungen und Tickets ab 5 €.
– Fresken: Aeneis-Saal, Büstenkabinett, Baglione-Kabinett und Herkulessaal.
– Farnese-Gemächer: 12 Rokokoräume von Sebastiano Galeotti, nach Voranmeldung besichtigbar.
– Weinmuseum: Sinnesparcours in den Kellern und im ehemaligen Eiskeller.
– Farnesischer Garten: 3 Hektar als Küchengarten, sechzehn Quadrate und zentrales Wasserbecken, ganzjährig geöffnet.
Rocca Sanvitale: Das Schloss von Sala Baganza
Die Rocca Sanvitale taucht plötzlich im Zentrum von Sala Baganza auf, mit ihrem langgestreckten Bau aus Stein und Ziegeln und den Überresten der mächtigen Türme. Sie ist nicht das klassische Postkartenschloss: Sie ist ein Adelssitz, der drei Seiten verloren hat und eine Seele bewahrt, die zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert schwebt. Was mich beeindruckt, ist die Asymmetrie der Fassade, das Rundbogenportal und jener Farnese-Garten, der sich am Fuße des Gebäudes wie eine geometrische Zeichnung entfaltet. Innen erzählen die Säle von den Sanvitale, den Farnese und den Bourbonen, mit Fresken, Grotesken und Stuck. Das Weinmuseum in den Kellern und im ehemaligen Eiskeller fügt eine sinnliche Note hinzu. Es ist ein Ort, den man in Ruhe besuchen sollte, ohne ein intaktes Herrenhaus zu erwarten, aber gerade deshalb authentischer und überraschender.
Historischer Überblick
Die Ursprünge reichen ins Mittelalter zurück: Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1141, als ein Castellum de Sala existierte. Ab 1258 hielten die Sanvitale die Burg über 350 Jahre lang. 1477 erhielt Gilberto III. Sanvitale den Titel Graf von Sala und ließ das Gebäude um einen Wassergraben und eine Mauer erweitern; 1482 verteidigte Donella Rossi es gegen die Truppen ihres Vaters. Im 16. Jahrhundert holte Giberto IV. Künstler, um die Beletage auszuschmücken. 1612, nach der Verschwörung der Lehnsherren, konfiszierten die Farnese die Güter der Sanvitale. Die Burg wurde unter Antonio Farnese und den Bourbonen zur herzoglichen Residenz. Im 19. Jahrhundert ließ Michele Varron drei Seiten abreißen. 1988 kaufte die Gemeinde den Westteil; die Öffnung für die Öffentlichkeit erfolgte 2003. 2024 wurden 12 Räume des Farnese-Appartements geöffnet.
- 1141: erste urkundliche Erwähnung.
- 1258: die Sanvitale.
- 1477: Erweiterung durch Gilberto III.
- 1482: Verteidigung durch Donella Rossi.
- 1612: Konfiszierung durch die Farnese.
- 1720–1726: Fresken von Galeotti.
- 1819–1823: Abriss von drei Seiten.
- 1988: kommunaler Kauf.
- 2003: Öffnung für die Öffentlichkeit.
- 2024: Farnese-Appartement.
Säle und Fresken des Cinquecento
Der Rundgang durch den Renaissanceflügel bildet das Herzstück des Besuchs. Man betritt die Sala delle Capriate (Saal der Dachstühle) mit hölzernem Dachstuhl und Spuren von Fresken aus dem Cinquecento mit Architekturen, Tieren und mythologischen Szenen. Dann folgt das Gabinetto dei Busti (Büstenkabinett), ein kleines Studiolo, das Cesare Baglione mit Büsten und Grotesken ausgestattet hat. Die Sala dell’Eneide (Aeneis-Saal), Ercole Procaccini zugeschrieben, war ein Schlafzimmer mit einem Gewölbe, das Szenen aus dem Leben des Aeneas und Venus in den Wolken zeigt. Das Camerino del Baglione, das Studiolo der Gräfin Livia, ist ein einziges Spiel von Grotesken auf weißem Grund mit Jahreszeiten, Jagden und Schlachten. In der Sala d’Ercole (Herkulessaal) stechen der barocke Kaminaufsatz und die Geschichten des Herkules mit dem donnernden Jupiter hervor. Die Cappella Palatina (Pfalzkapelle) bewahrt sakrale Fresken und christliche Symbole. Auf dem Rundgang begegnet man außerdem der Dauerausstellung mit Skulpturen von Jucci Ugolotti, Sacro e Profano. Die Säle sind nicht riesig, doch die dekorative Dichte ist bemerkenswert.
Farnese-Appartement und Weinmuseum
Der aus dem 18. Jahrhundert stammende Teil ist eine Reise für sich. Das Appartement von Antonio Farnese umfasst dreizehn Räume im Rokokostil, mit Stuckarbeiten und Fresken von Sebastiano Galeotti, die zwischen 1720 und 1726 entstanden. Gemalte Türen verbinden die Säle und zeigen Allegorien der Tugenden; der Rundgang gipfelt im Saal der Apotheose, wo das Deckengewölbe das Haus Farnese zwischen klassischen Gottheiten und Allegorien feiert. Seit dem 22. September 2024 sind 12 Räume dieses Appartements geöffnet – eine Gelegenheit, ein weniger bekanntes Rokoko aus Parma zu sehen. Im Souterrain besucht man das Weinmuseum, das in den Kellern und im ehemaligen Eishaus untergebracht ist: ein Ausstellungs- und Sinnesparcours, der dem Wein von Parma, seiner Geschichte und Kultur gewidmet ist. Der Eintritt ist separat. Mir hat der Kontrast zwischen den Adelsfresken und der kühlen, etwas dunstigen Atmosphäre der Keller gefallen.
Der Farnesische Garten
Am Fuß der Festung öffnet sich der Farnesische Garten, auch Granatapfelgarten genannt. Er ist ein Potager von etwa drei Hektar, umgeben von Mauern aus dem 18. Jahrhundert, die die Farnese errichten ließen, um Küchengarten und Bäume vor Dieben, Wind und Regen zu schützen. Die heutige Gestaltung orientiert sich am Entwurf von Petitot aus dem 18. Jahrhundert und wurde 2009 restauriert und wiedereröffnet. Der Garten ist durch Kieswege in sechzehn Quadrate unterteilt, mit einem runden Becken in der Mitte, das auch als Wasserreserve für die Bewässerung diente. Ringsum wachsen Zieräpfel und Quittenbäume, während immergrüne Steineichen als Sonnenschutz dienen. Im Frühling bedecken sich die Zieräpfel mit weißen Blüten; im Herbst und Winter bleiben die scharlachroten Früchte bis März sichtbar und zeichnen das geometrische Muster. Es ist ein schlichter Ort, perfekt für einen langsamen Spaziergang oder um Kinder spielen zu lassen.
Warum sich ein Besuch lohnt
Drei konkrete Gründe. Erstens: Hier zeigt sich ein Schloss, das kein Schloss mehr ist, sondern ein Herrenhaus mit manieristischen und Rokoko-Fresken – ohne die Menschenmassen anderer herzoglicher Residenzen. Zweitens: Das Appartement des Antonio Farnese wurde kürzlich geöffnet und präsentiert dreizehn Zimmer mit Stuckarbeiten und Allegorien von Galeotti, ein wenig bekannter Rundgang. Drittens: Der Farnesische Garten ist ein restaurierter Potager, kostenlos und auch für eine Pause mit Kindern geeignet. Darüber hinaus gehört die Rocca zum Netzwerk I Castelli del Ducato di Parma, Piacenza e Pontremoli, und Sala Baganza zählt zu den Gioielli d’Italia. Für alle, die Parma besuchen und einen etwas anderen Ausflug ins Umland suchen, ist das eine clevere Station: klein, authentisch, mit dem Weinmuseum, das den Rahmen abrundet.
Wann am besten
Es muss kein bestimmter Tag sein: Die Rocca hat einen Charakter, der sich mit dem Licht verändert. Meiner Meinung nach ist der beste Moment ein Frühlingsmorgen, wenn der Garten in weißen Blüten erstrahlt und die Luft noch frisch ist. Die Säle aus dem 16. Jahrhundert mit ihren freskengeschmückten Gewölben wirken im schrägen Licht des frühen Nachmittags am besten, besonders im Herbst, wenn draußen der leichte Nebel liegt, der für die Gegend um Parma typisch ist. Wenn Sie an einem regnerischen Tag kommen, umso besser: Der Kontrast zwischen dem grauen Äußeren und den dekorierten Innenräumen ist Teil des Reizes. Im Sommer ist der Garten perfekt für einen Spaziergang im Schatten der Steineichen, aber meiden Sie die Mittagsstunden. Im Winter ist die Atmosphäre intimer und ruhiger; das Weinmuseum in den Kellern wird zu einem angenehmen Zwischenstopp. Werfen Sie vor der Abreise immer einen Blick auf den Kalender.
In der Umgebung
Sala Baganza verdient einen Spaziergang durch den Ort, doch in der Umgebung gibt es zwei Stationen, die sich gut mit der Rocca verbinden lassen. Die erste ist das Casino dei Boschi, ein von Maria Luigia von Österreich in Auftrag gegebener Komplex: Er umfasst eine neoklassizistische Villa, eine dorische Säulenreihe, ein kleines Casinetto mit Uhr und Glockenturm sowie einen englischen Landschaftspark mit Wiesen, Gehölzen und monumentalen Bäumen wie Eibe und Sequoia. Die Villa ist für die Öffentlichkeit geschlossen, doch das Casinetto, der rustikale Hof, das steinerne Haus mit Eiskellern, der Park und der monumentale Garten können besichtigt werden. Die zweite ist ein Abstecher nach San Vitale Baganza, wo man die Überreste des Aquädukts aus dem 15. Jahrhundert sieht, vermutlich von den Sanvitale erbaut und später von den Farnese restauriert. Es sind ruhige Orte, ideal, um den Besuch zu verlängern, ohne sich zu weit zu entfernen.