Das Museion ist das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in Bozen und seit 2008 in einem 54 Meter langen Glaskubus von KSV untergebracht, zwischen Altstadt und Talfer. Drinnen findest du mehr als 4.500 Werke, internationale Ausstellungen, eine Bibliothek, eine Bar und einen Bookshop, mit fließenden Räumen und Blick auf die Dolomiten. Am Donnerstagabend ist der Eintritt von 18:00 bis 22:00 Uhr frei.
– Architektur: transparente Fassaden und Multimedia-Projektionen.
– Sammlung: Kunst und Sprache, Skulptur, außereuropäische Kunstschaffende.
– Familien: spielerische Rundgänge, Workshops und Kids-Lounge.
– Gut zu wissen: Piero-Siena-Platz 1; montags geschlossen; Vollpreis 10 €.
Introduktion: Museion Bozen, zeitgenössische Kunst im Glaswürfel
Das Museion ist das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in Bozen – und schon von außen ist es kaum zu übersehen. Sein Würfel aus Glas und Aluminium, entworfen vom Berliner Büro KSV Krüger Schuberth Vandreike, erhebt sich auf der Piazza Piero Siena wie eine transparente Laterne zwischen Altstadt und Talfer. Drinnen sind die Räume fließend und lichtdurchflutet: Ausstellungssäle, Bibliothek, Bar, Bookshop und Werkstätten gehen ohne scharfe Grenzen ineinander über. Die Doppelfassade ist nicht nur Kulisse: Sie reguliert das Licht, belüftet das Gebäude und wird an manchen Abenden zur Leinwand für Videoprojektionen. Die Sammlung umfasst mehr als 4.500 Werke, mit Schwerpunkten auf Kunst und Sprache, Skulptur sowie außereuropäischen Künstlerinnen und Künstlern. Die Wechselausstellungen bringen internationale Namen nach Bozen, oft erstmals in Italien. Erwarten Sie kein verstaubtes Museum: Zeitgenössische Kunst erlebt man hier im Gehen, beim Blick durch die Glaswände und beim Sich-Überraschen-Lassen. Der Eintritt am Donnerstagabend ist frei, und ein Familienprogramm rundet das Angebot ab.
Historischer Abriss
Museion entsteht
1985 aus einem privaten Verein mit Unterstützung der Autonomen Provinz Bozen, um die bildende Kunst im historischen Tirol seit 1900 zu fördern. Die ersten Räume befinden sich in der Via Sernesi, im alten Krankenhaus, und 1987 nimmt die Tätigkeit Fahrt auf.
1991 nimmt das Museum den Namen Museion an, während sich die Sammlung in den 1990er-Jahren dem Dialog zwischen deutscher und italienischer Kunst öffnet. Der große Sprung kommt
2008: Eröffnung des Sitzes an der Piazza Piero Siena, der Glaswürfel von KSV. Seitdem ist Museion eine Stiftung, getragen von der Associazione Museion und der Autonomen Provinz Bozen, mit internationalen Ausstellungen und dem dreijährigen Programm Museiopolis.
- 1985: Gründung.
- 1987: Eröffnung in der Via Sernesi.
- 1991: Name Museion.
- 2008: neuer Sitz an der Piazza Piero Siena.
- 2025-2026: What We Carry und Museiopolis.
Der KSV-Würfel: Architektur zum Durchschreiten
Das Gebäude des Museion ist ein 54 Meter mal 25 Meter großer Würfel, 23 Meter breit, aus Stahl und Beton gebaut und mit Aluminiumpaneelen verkleidet. Entworfen von KSV Krüger Schuberth Vandreike, deren Partner an der Bauhaus-Universität Weimar studiert haben, fügt es sich zwischen Altstadt und Neustadt wie ein urbanes Scharnier ein. Die Stirnfassaden sind vollständig verglast; die Seitenfassaden haben eine Doppelhaut mit beweglichen, opaken Lamellen. Tagsüber filtern sie das Licht, nachts können sie zur Projektionsfläche werden. Der rund einen Meter breite Zwischenraum fungiert auch als Lüftungskanal: Die Luft strömt zu den unterirdischen Technikräumen hinab. Im Inneren dominiert Weiß, und bewegliche Wände machen die Räume flexibel. Treppen verbinden helle Säle mit Blick auf die Stadt und die Dolomiten. Das Museum hat sechs Etagen, vier oberirdische und zwei unterirdische, und man durchquert es fast, ohne es zu bemerken: vom doppelgeschossigen Foyer zum halbunterirdischen Veranstaltungssaal, von der Bar zur Passerelle über die Talfer.
Sammlung, Ausstellungen und Museiopolis
Hier ist zeitgenössische Kunst kein monolithischer Block. Die Sammlung umfasst über 4.500 Werke und wird in thematischen Rundgängen wechselnd präsentiert. Die Schwerpunkte? Kunst und Sprache, die formale Sprache der Skulptur, kritische Neulektüre der Gegenwart und Positionen außereuropäischer Künstlerinnen und Künstler. Das Programm 2026 heißt Museiopolis und will die Grenzen zwischen Museum, Stadt und Peripherie auflösen. Auf dem Kalender stehen die erste große Ausstellung zu den immersiven Umgebungen von Franco Vaccari, die Einzelausstellung von Evelyn Taocheng Wang, die Videoarbeit von Som Supaparinya, eine Retrospektive zu Rammellzee und eine Ausstellung zu Luigi Zuccheri. Museion Passage eröffnet mit monumentalen Skulpturen von Eduard Habicher und einem Klangereignis mit Joey Baron und Robyn Schulkowsky. Dazu kommen die Museion Academy mit dem Master FOAM in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Bozen und der Museion Art Club, ein Inkubator für junge Menschen. Kurz gesagt: internationale Ausstellungen, Forschung und Gemeinschaft im selben Glaswürfel.
Mit Kindern: Raupe, Workshops und Art Club Young
Das Museion ist nicht nur für Erwachsene gedacht: Familienangebote sind ein fester Bestandteil des Programms. Kinder können spielerische Rundgänge machen, etwa mit der Museumsraupe, und an interaktiven Führungen teilnehmen. Im Sommer gibt es die Kunstwochen für Kinder von 6 bis 10 Jahren: Mit kreativen Materialien und Technologien werden Werke erkundet, in zweisprachiger Atmosphäre Italienisch/Deutsch und mit erfahrenen Kunstvermittlerinnen und Kunstvermittlern. Der Wochenpreis beträgt 130 € pro Kind, 100 € für Geschwister, Mittagessen inklusive. Es gibt außerdem eine Kids-Lounge und die Museumswiese zum Spielen und Entspannen. Der Museion Art Club Young bietet Freizeit- und Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche. Für Familien und Schulen werden Workshops nach Voranmeldung organisiert: 0471 223435 oder visitorservices@museion.it. Das Schöne? Dass zeitgenössische Kunst hier keine Angst macht: Man berührt sie mit den Augen, diskutiert über sie, erlebt sie. Und am Donnerstagabend ist der Eintritt für alle frei.
Warum sich ein Besuch lohnt
Erster Grund: Es ist eines der wenigen italienischen Museen, in denen Architektur und zeitgenössische Kunst wirklich miteinander ins Gespräch kommen. Der Glaswürfel von KSV ist keine neutrale Box: Er filtert Licht, projiziert Bilder und verbindet das Zentrum mit dem Fluss. Zweitens: Die Sammlung umfasst mehr als 4.500 Werke, und die Wechselausstellungen zeigen internationale Namen, oft als Italien-Premiere, mit einer seltenen Aufmerksamkeit für außereuropäische Kunst und Skulptur. Drittens: Es ist zugänglich und familienfreundlich. Unter 18 Jahren ist der Eintritt frei, donnerstagabends ist der Eintritt für alle kostenlos, und es gibt Workshops, Führungen und Aktivitäten für Kinder. Außerdem kostet das Vollticket 10 €, ermäßigt 5 €; wenn eine Etage im Aufbau ist, sinkt der Preis auf 7 € bzw. 3,50 €. Für eine Stadt wie Bozen ist so ein Museum ein kleiner Luxus. Und nach dem Besuch können Sie im Café oder im Bookshop verweilen, ohne die Schwere eines klassischen Museums zu spüren.
Wann hingehen
Wenn ich einen Tipp geben darf: Wählen Sie einen Abend. Noch besser an einem Donnerstag, wenn das Museion länger geöffnet ist und der Eintritt frei ist: Dann kommt die Stadt zur Ruhe, und der Glaswürfel erstrahlt. Wenn die Sonne später untergeht, können die Fassaden zur Projektionsfläche für Projektionen und Installationen werden: Das Gebäude wird Teil der urbanen Inszenierung. Auch ein heller Tag ist perfekt, um zu sehen, wie die doppelte Haut das Licht filtert, und um den Blick auf die Dolomiten aus den oberen Etagen zu genießen. An ruhigeren Tagen ist die Atmosphäre dagegen intimer: weniger Publikum, mehr Raum für die Ausstellungen. Meiden Sie den Montag, der ganzjährig Schließtag ist, außer im August. Prüfen Sie immer die offizielle Website, denn die Öffnungszeiten ändern sich mit den Jahreszeiten und den Ausstellungen.
In der Umgebung
Das Museion liegt am Piazza Piero Siena im Herzen von Bozen, doch ohne Entfernungsangaben: Man muss nur hinausgehen und loslaufen. Der Spaziergang entlang der Talfer beginnt genau dort: Wiesen, Bäume und der Rad- und Fußgängersteg, der das Museum mit der Stadt verbindet. Er ist perfekt nach einer Ausstellung, besonders bei Sonnenuntergang. Dann gibt es den Obstplatz, mit seinem historischen Markt: Farben, Düfte, lokale Produkte und jenes Kommen und Gehen, das den Bozner Alltag erzählt. Wenn Sie ein weiteres kulturelles Erlebnis suchen, ist das Archäologiemuseum Südtirol mit Ötzi eine Station, die gut zu einem Kunsttag passt: zuerst die Gegenwartskunst, dann die Gletschermumie. Und für alle, die draußen bleiben möchten, bieten die Talferwiesen und die Wege Richtung Schloss Maretsch eine grüne Pause. Ein starres Programm ist nicht nötig: Das Schöne an Bozen ist, dass Museum, Fluss und Platz alle auf demselben Spaziergang liegen.